Der älteste Leuchtturm Deutschlands funkt in alle Welt

Travemünder und Lübecker Funkamateure machen 24 Stunden rund um die Uhr Funkbetrieb

Travemünde 19.08.2007 | Funkamateure enterten am frühen Morgen die 142 Stufen des 8 geschossigen Museum-Leuchtturms auf dem Leuchtenfeld in Travemünde. Sie rüsteten das maritime, ehemals wegweisende Leuchtfeuer an der Trave mit moderner Funktechnik aus, spannten in 31 m Höhe einen Draht und meldeten sich unter dem Kürzel »FED 241« in den Äther. In der Funkersprache hört sich das so an: »Fox Echo Delta 241«. Das war für die Schiffsnavigation die internationale Kennung des alten Leuchtturmes in Travemünde.

Links ist das kleine Funkgerät zu sehen. Im Moment der Aufnahme läuft gerade eine Funkverbindung mit einem Leuchtturm auf Fehmarn. Am Mikrofon ist Funkamateur Jan, mit dem Rufzeichen DO6JSC. Foto: Karl Erhard Vögele

Das Leuchtfeuer nimmt unter dem amtlichen Amateurfunk-Rufzeichen »DL0TO/LH« am internationalen Leuchtturm-Wochenende teil, das weltweit von den Funkamateuren veranstaltet wird. Der Zusatz »LH« bedeutet Light House, zu deutsch: Leuchtturm

Mit einem Rundruf auf einer Kurzwellenfrequenz wendet sich der Travemünder Leuchtturm »An Alle«. Gespannt warten dann die Funkamateure darauf, wer sich gleich melden wird. Heute waren es überwiegend Amateurfunk-Stationen aus Europa, mit einem lebhaften Interesse, unbedingt eine Funkverbindung mit Travemünde zu bekommen. Dagmar (links) führt am PC das Logbuch. Sie nennt sich SWL, Short Wave Listener, was bedeuted, dass sie sich noch auf die Amateurfunkprüfung vorbereitet und Erfahrungen sammelt. Foto: Karl Erhard Vögele

Die Kurzwelle macht es möglich – weltweiter Funkverkehr in Form von Sprechfunk, Tastfunk oder Datenfunk per Computer mit einem kaum auffälligem Stück Draht als Antenne führt zu interessanten Verbindungen. Funkamateure aus Skandinavien, Zentraleuropa, Nord Afrika und dem Nahen Osten liegen »gleich um die Ecke«. Diesen kleinen technischen Aufwand eines Drahtes nutzen auch kleine Segelschiffe und Leuchtfeuerschiffe, die sich auf hoher See befinden. Sie nehmen am Funkverkehr mit dem Zusatz zum Rufzeichen »maritime mobil« teil. So ist zu erkennen, dass Sie als schwimmende Funkstation von See aus am Funkverkehr teilnehmen.

Klaus-Peter, Rufzeichen DG8LBB (links), hat im Moment keinen »Dienst« am Funkgerät. Aber Marvin befasst sich bereits mit Elektrotechnik. Er wird sicher in einigen Jahren die Amateurfunkprüfung ablegen und die Tradition des »Light House Funkertages« fortsetzen. Foto: Karl Erhard Vögele

Die Energie einer Glühlampe von 100 Watt reicht aus. Verkehrssprache ist englisch und bei sehr weiten Verbindungen, wie den USA oder Japan, greift der »Lighthouse Keeper«, also der Leuchtturmwärter, auf seine Morsetaste zurück. Das heißt, dass dann wie zu Anfang der Funkerei vor über 100 Jahren die Informationen mit dem Morsealphabet ausgetauscht wurden. Die kurzen Punkte und langen Striche, welche die Buchstaben des Alphabetes darstellen, können vom geschulten Ohr immer noch unter funkmäßig ungünstigen Bedingungen von Rauschen, Prasseln und Pfeifen deutlich wahrgenommen werden.

Jürgen Schmeckebier, DL4HAJ, prüft gerade die mechanische Festigkeit des kleinen Drähtchens, also der Antenne, welche die Signale der Funkamateure in alle Welt trägt und auch empfängt. Foto: Karl Erhard Vögele

Amateurfunksendungen dürfen auch von Nicht – Funkamateuren gehört werden. Für den Sendebetrieb ist eine staatlich anerkannte Amateurfunkprüfung abzulegen.

Danke sagen die Funkamateure an die Leuchtturmwärterin und Museumschefin Claudia Schmäing, die es den Funkamateuren ermöglichte, am diesjährigen Leuchtturm-Funkerevent mit dem Alten Leuchtturm Travemünde teilzunehmen. Besucht werden können Leuchtturm und Museum jeden Tag außer montags von 10.00 bis 17.00 Uhr.

Text: Jürgen Schmeckebier, DL4HAJ, Deutscher Amateur Radio Club (DARC e.V), KEV. Alle Fotos: Karl Erhard Vögele